Familien oder Liebespaare auf Sommerurlaub – das eröffnet als Filmszenario einen Mikrokosmos, in dem Charaktere plötzlich Konfrontationen austragen, für die sie im Alltag keine Zeit haben („Alle Anderen“, „All Inclusive“, „Sommer 04“).
Selten aber doch taugt der Urlaubsort sogar als Schauplatz, an dem sich ein handfester Thriller entwickelt wie in „The Vanishing“, „Der weisse Hai“ oder dem Alptraum aller Urlauber, Hanekes „Funny Games“.
Fast schon ein eigenes Genre, ist der „Urlaubsfilm“ aber meistens eine locker-flockige Sommerkomödie. Die Franzosen wählen als Schauplatz besonders gerne die französische Riviera. Das stimmungsvollste Bild des Jetset an der Côte d’Azur zeigt sicher Premingers „Bonjour Tristesse“. Wie auch bei Chabrol („Biester“) oder Rohmer („Claire’s Knie“, „Pauline am Strand“) entwickelt sie beinahe schon ein Eigenleben als therapeutischer Ort.
So geht es in vielen „Urlaubsfilmen“ um sexuelle Erweckung, um erste oder neue sexuelle Erfahrungen („Meeresfrüchte“, „Sommer wie Winter“, „In den Süden“, „Y tu mama tambien“). Nicht nur in dieser Hinsicht wurde in den letzten Jahren die jugendliche Reisepraxis des „Backpacking“ als ergiebiges Filmthema entdeckt („Before Sunrise“, „The Beach“). Besonders empfehlen wir da den semidokumentarischen „Hotel Very Welcome“, der einen schonungslosen Blick auf die Realitäten des Rucksacktourismus wirft.